Der Einsatz von RFID in den Betrieben

Letzte Bearbeitung: 11.11.2011

Übersicht

Allgemeines

Typische Probleme

Rechte des Betriebsrats

Aktuelle Seminare

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Literatur

Internet-Adressen


Allgemeines

RFID ist die Abkürzung für 'Radio Frequency Identification' (auf deutsch 'Identifikation per Funk'), auch 'Funk-Etikett' genannt.  Das Produkt oder der Gegenstand, der bzw. das damit erfasst werden soll, erhält ein RFID-Label (= 'Tag' oder 'Transponder'), das auf Funkwellen reagiert und dann seine Informationen (z.B. eine Identifikationsnummer) sendet. Die Energie zieht dieser kleine Computer (denn das ist letztlich ein solches Tag) aus den Funkwellen, die ihm das Lesegerät sendet.

Die Technik ist nicht neu: Schon 1940 nutzte das US-Militär RFID, um den Verbleib von Nachschub zu verfolgen, und schon seit über 10 Jahren ist RFID zur Identifikation von Nutztieren (z.B. Kühen) und für den Zugang zu Skiliften im Einsatz.

Was heute neu ist und was die Nutzungsmöglichkeiten dramatisch ausweitet, ist die aktuelle Weiterentwicklung dieser Technik:

  • Die RFID-Chips werden immer billiger. Mittlerweile sind sie schon für ca. 1 Cent zu haben und ermöglichen damit die massenhafte Auszeichnung auch sehr preiswerter Produkte.

  • Sie sind sehr robust gegenüber Hitze und anderen äußeren Einwirkungen, so dass sie auch unter rauen Produktionsbedingungen zum Einsatz kommen können.

  • Sie werden immer leistungsfähiger, sowohl was die Datenmenge betrifft, die sie speichern und auf Anforderung senden können (z.B. 100 KB!)  als auch hinsichtlich der Lesemöglichkeiten; so ist es z.B. heute schon kein Problem mehr, solche Tags auch aus einer Entfernung von mehreren Metern abzulesen, wenn das Lesegerät dafür eingerichtet ist.

Mögliche aktuelle Anwendungen im Betrieb, die heute schon relevant sind oder in nächster Zeit relevant werden können, sind z.B.:

  • berührungslose Zugangskontrolle und Zeiterfassung der MitarbeiterInnen, bis hin zu einem vollständigen und eventuell heimlichen Bewegungsprofil

  • detaillierte Verfolgung von einzelnen Paletten, Containern oder Produkten im Rahmen der Logistik oder zur kleinteiligen und engmaschigen Betriebsdatenerfassung (BDE)

  • Kennzeichnung und Überwachung von Werkzeugen für sensible Bereiche, z.B. bei der Flugzeugwartung.

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Typische Probleme

Was an Problemen aus Sicht der Beschäftigten beim RFID-Einsatz auftritt, hängt sehr stark davon ab, zu welchem Zweck, in welchem Umfang und in welchen Bereichen diese Technik benutzt wird. Die möglichen Probleme betreffen v.a. die Kontrollmöglichkeiten und das Rationalisierungspotential.

Die heutige und absehbare Technik ermöglicht es, RFID-Labels so klein zu gestalten und die Lesegeräte so unauffällig zu platzieren, dass eine versteckte Überwachung der Beschäftigten stattfinden kann. Man könnte z.B. an allen Türen eines Gebäudes ein solches Lesegerät installieren; wenn dann im Firmenausweis, den jede/r immer bei sich tragen muss, ein RFID-Chip steckt (was mittlerweile schon ziemlich üblich ist), so ließe sich damit ein praktisch lückenloses Bewegungsprofil dieses/r Beschäftigten erstellen. Wenn jedes einzelne Produkt in jeder Produktionsphase mit RFID versehen ist und an allen wichtigen Stationen (Maschinen, Bearbeitungsplätze, Lagerplätze)  im Betrieb Lesegeräte installiert sind, erhält man damit sehr viele BDE-Daten (wann ist dieses bestimmte Produkt an diesem Bearbeitungsplatz angekommen, wann hat es ihn wieder verlassen etc.) - und zwar sehr viel genauer, als dies bisher mit den üblichen BDE-Technologien möglich gewesen wäre.

Speziell die Logistik, sowohl innerhalb eines Betriebs als auch zwischen Betrieben, kann durch Einsatz von RFID stark beschleunigt und rationalisiert werden; in diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass verschiedene Warenhausketten mittlerweile schon mit bedienungslosen Kassen experimentieren, bei denen die gekauften Artikel u.a. über die aufgeklebten RFID-Tags identifiziert und automatisch abgerechnet werden.

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Rechte des Betriebsrats

Informationsrechte

  • § 80 Abs. 2, § 90 Abs. 1 BetrVG

    • 'Bringschuld' des Arbeitgebers, schon in der Planungsphase; trotzdem sollte sich der BR aktiv Informationen besorgen, am besten über eine ausführliche Frageliste.

    • Der Arbeitgeber muss den BR 'umfassend' informieren, d.h. über (fast) alles, unabhängig davon, ob der BR dabei Mitbestimmung hat. Vorhandene schriftliche Unterlagen muss er vorlegen.

Mitbestimmungsrechte (notfalls über Einigungsstelle erzwingbar)::

  • § 87 Abs. 1  Nr. 6 BetrVG ; wichtig:

    • Der BR hat eine umfassende MB bei allen Fragen des RFID-Einsatzes im Betrieb, sobald dabei in irgendeiner Weise personenbezogene Daten der Mitarbeiter bzw. Daten kleiner Mitarbeitergruppen erfasst und verarbeitet werden.

    • Auf der Grundlage dieses Mitbestimmungsrechts kann der Betriebsrat verlangen und durchsetzen, dass mit ihm eine entsprechende Betriebsvereinbarung abgeschlossen wird, in der insbesondere geregelt wird, inwieweit durch RFID eine Verhaltens- oder Leistungskontrolle durchgeführt wird.

  • § 111 BetrVG:

    • Bei einem großflächigen RFID-Einsatz ist zu prüfen, ob das ganze nicht eine Betriebsänderung darstellt und deshalb über einen Interessenausgleich verhandelt werden muss.

Kontrollrechte

  • § 80 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG; wichtig:

    • Sehr umfassende Kontrollpflicht des BR.

    • Keine Einschränkungen, auch nicht durch den Datenschutz

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Literatur

  • ver.di (Hrsg.): 'RFID Basisinformation. Was Betriebsräte über den Einsatz von Funkchips wissen sollten', 1. Auflage 2007

  • Däubler: ‚Gläserne Belegschaften? Datenschutz in Betrieb und Dienststelle‘, 5. Auflage, 2010, BUND-Verlag, 49,90 €

    • Eine aktualisierte Neuausgabe des bewährten 'Klassikers' zum Arbeitnehmerdatenschutz - ein MUSS für jeden Betriebsrat, der sich mit Datenschutz befasst. Däubler geht zwar nicht speziell auf RFID ein, aber behandelt sehr umfassend das Thema 'Kontrolle und Überwachung im Betrieb'.

  • Zeitschrift: 'Computer und Arbeit', AiB-Verlag, Köln, 85,20 € / Jahr (11 Hefte)

    • Enthält immer sehr interessante Info. zu allen möglichen EDV-Fragen im weitesten Sinne im allgemeinen und speziell zu vielen Themen bzgl. der Ergonomie von Bildschirmarbeitsplätzen,  speziell für BR/PR – sehr empfehlenswert.

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Internet-Adressen

  • www.verdi-innotec.de

    • verdi-innotec ist eine Tochterunternehmen von ver.di. Die Homepage enthält unter 'Themen' weiterführende Informationen zu RFID.

  • www.datenschutz.de

    • Ein umfassendes Datenschutzportal, das von den Landes- und dem Bundesdatenschutzbeauftragten betrieben wird. Hier sind zahlreiche, auch aktuelle Informationen, u.a. auch zu RFID,  hinterlegt, Dokumente können herunter geladen werden, und zahlreiche Links zu datenschutzrelevanten Internet-Seiten werden angeboten. Sehr empfehlenswert.

  • www.bsi.de

    • Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik veröffentlicht auf seinen Seiten immer wieder aktuelle Informationen zu RFID. Dort kann man auch eine umfassende Studie zu RFID herunterladen, die die heutige und zukünftige Technik und mögliche Probleme (aus anwendungstechnischer Sicht) darstellt.

  • www.foebud.de

    •  Diese Homepage des ‚Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.‘ enthält viele Infos zum Thema allgemeine Überwachung, Videoüberwachung, RFID etc.

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